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Importbräute 2.0 — Pod-Walk durch das Düsseldorfer Bahnhofsviertel
, 2026
Beteiligte
| Konzept & Regie | Merve Kayikci und Doro Schroeder |
| Technische Realisation | Michael Sträubig |
Importbräute 2.0 – ein PodWalk durch das Düsseldorfer Bahnhofsviertel, in dem jeder Mensch zu jeder Zeit Geschichten von Frauen hören kann, die er/sie schon kennt, deren Geschichten ihm/ihr aber noch nie erzählt wurden. Die Geschichten von sogenannten Importbräuten, Frauen, die nach Deutschland heirateten und hier ein unfreies Leben führten. Der Walk führt von Ort zu Ort und zieht den Zuhörenden tief in eine unbekannte, migrantische Community.
Der PodWalk wird mit einem öffentlichen Launch gestartet, danach steht er jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Über die Web-App kann jede*r User*in Feedback geben und Orte und Geschichten, die von Ankunft und Ankommen erzählen, auf einer integrierten Karte teilen. Nach ca. 9 Monaten werden in regelmäßigen Abständen weitere analoge Begegnungen mit den künstlerischen Beteiligten, den Betroffenen und den User*innen an einem öffentlichen Ort angeboten.
Nach drei erfolgreichen Aufführungsrunden von „Importbräute. Mein Henna, das Schleier und ihre Tränen“, zwei in Augsburg und einer in München, nach vielen Interviews, Tees, Baklava, Nachgesprächen, Tänzen, Tränen, Emails und Nachrichten möchten wir mehr davon: Wir möchten mehr Menschen erreichen, mehr Geschichten erzählen, mehr Lebenswelten zusammenbringen:
In der Modellstadt Düsseldorf skalieren wir das Theaterstück „Importbräute“ und bringen es in den öffentlichen und in den digitalen Raum. An Orten rund um den Hauptbahnhof – dem ZOB, im Rif Café, im Wartezimmer einer Kinderärztin, in einem Brautmodeladen – lässt uns Seda an ihrer Geschichte teilhaben: Es ist ihre Henna-Nacht, wir dürfen ihre Gäste sein, die Aufregung ist groß. Im Zuge der Vorbereitungen auf dieses wichtige Fest begegnen bzw. hören wir ihre weiblichen Verwandten und Wegbegleiterinnen, die von ihrer Ankunft und ihrem Leben in Deutschland erzählen. Sie erzählen von ihren Hennanächten, von ihren einstigen Träumen und Hoffnungen und von dem, was davon übrig geblieben ist.
Importbräute 2.0 erzählt Geschichten von Frauen, die nach Deutschland heirateten und in ihrer neuen Heimat nur ihren Ehemann und seine Familie kannten (und diese meistens auch nur flüchtig). Die mit vielen Hoffnungen in ein neues, fremdes Land und Leben gingen und in Abhängigkeit und Unfreiheit endeten. Die sich mit diesem Leben arrangierten oder an ihm zerbrachen oder die sich empowerten und mit sich auch andere Frauen. Und Importbräute 2.0 erzählt auch die Geschichten von deren Kindern – wie wächst man in Deutschland auf, wenn alle Entscheidungen die Schwiegermütter / Großmütter oder Männer in der Familie treffen, wenn die eigene Mutter keine Stimme hat in dieser Gesellschaft? Sowohl im Familienkreis als auch in der Öffentlichkeit?
Aus neuen (anonymisierten) Interviews, die wir mit Düsseldorferinnen führen und aus unserem bereits vorhandenen Fundus aus Augsburg und München möchten wir die Geschichte von Seda stricken: Auf acht Stationen hören wir die Stimmen von Frauen rund um Seda, eine 25jährige, in Düsseldorf geboren, mit Wurzeln in Antakya. Mithilfe einer interaktiven Karte gehen wir an ungewohnte sowie alltägliche Orte, wir werden aufgefordert einen Tee zu trinken, eine Klingel zu drücken, uns in ein Wartezimmer zu setzen, unseren Blick in eine bestimmte Richtung zu lenken. Immer tiefer werden wir in Welten hineingezogen, deren Dimension wir bisher noch nicht kannten.
Die eigens für den PodWalk webintegrierte App bietet jeder*m User*in die Möglichkeit auf einer integrierten Karte Feedback zu geben. Sie/er kann ihren/seinen persönlichen Ort von Ankunft oder Ankommen markieren und dazu seine/ihre Geschichte erzählen. Das Netzwerk der Betroffenen erweitert sich somit beständig, Importbräute 2.0 zeigt deutlich: Es gibt viele von ihnen und jede trägt ihre individuelle und zugleich erzählenswerte Geschichte in sich!
Als Kick-Off wird es einen öffentlichen Launch mit Anwesenheit der künstlerisch Beteiligten und der interviewten Frauen geben. Dieser wird über Düsseldorfer Kooperationspartner*innen und die Presse beworben. Nach ca. 9 Monaten wird ein weiterer öffentlicher Walk mit Merve Kayikci und Doro Schroeder angeboten mit einem anschließenden Treffen für alle bisherigen User*innen und den interviewten Frauen, um Austausch und Vernetzung zu ermöglichen.
Weitere Zusammenarbeit mit Düsseldorfer Partnerorganisationen ist angedacht, so dass analoge Vernetzungstreffen in regelmäßigen Abständen stattfinden können.
Geführte Walks mit Schauspielerinnen können als Schul- und Gruppenbuchungen oder Diversity-Walks für Unternehmen kostenpflichtig gebucht werden. Die Erlöse fließen in die Aufrechterhaltung der Infrastruktur des PodWalks (Update bzw. Anpassung der Web-App, Feedback-Moderation, regelmäßige analoge Treffen, Kommunikation mit den Lokalen vor Ort).
Der PodWalk „Importbräute 2.0.“ soll an weitere Kommunen und Städte als Dienstleistung angeboten werden. Auch Teile dieser Kosten fließen in die Aufrechterhaltung der Infrastruktur des PodWalks in der Modellstadt Düsseldorf